05.06.2025 | Auf ihrer Delegiertenversammlung am 04. Juni 2025 hat die IG Metall Koblenz ein starkes Zeichen für die Interessen der Beschäftigten gesetzt und sich deutlich zur aktuellen politischen Lage positioniert.
Die bundesweiten Aktionen wie der Aktionstag am 15. März 2025 hätten erste Erfolge gebracht: Viele Forderungen der IG Metall fänden sich im Koalitionsvertrag wieder. Doch jetzt gehe es um die Umsetzung der Vorhaben und darum aktuelle Angriffe auf Beschäftigtenrechte abzuwehren. Ziel müsse es sein, die Industrie in Deutschland zukunftsfähig zu machen und gleichzeitig Beschäftigten- und Mitbestimmungsrechte auszubauen. Beides schließe sich nicht aus, sondern sorge im Gegenteil nur zusammen für Wohlstand und sozialen Zusammenhalt in Deutschland. Dafür gibt es mit mehreren Zukunftstarifverträgen in der Region gute Beispiele. Die Botschaft der Delegierten an Politik und Arbeitgeber: Schuldenbremse schnell reformieren und massiv investieren, Industrie und Arbeitsplätze sichern! Dieser Botschaft verleihen die Beschäftigten aus den Betrieben parallel mit betrieblichen Aktionen unter dem Motto „Flamme der Solidarität“.
Die Delegierten der IG Metall Koblenz begrüßten auf ihrer Versammlung am 4. Juni 2025 die politischen Erfolge der IG Metall der letzten Monate ausdrücklich. Gleichzeitig mahnten sie jedoch, dass es nun auf die zügige und konsequente Umsetzung dieser Punkte durch die Politik ankomme. „Durch Aktionen wie den bundesweiten Aktionstag der IG Metall am 15. März dieses Jahres konnten wir zentrale Forderungen der IG Metall in das Koalitionspapier der Bundesregierung einbringen. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen zur Sicherung von Tarifbindung, Investitionen in die industrielle Transformation sowie der Schutz sozialstaatlicher Errungenschaften.“ so Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der
IG Metall Koblenz.
„Dies war nur durch das breite Engagement vieler Kolleginnen und Kollegen aus den Betrieben auch unsere Region möglich.“ Nun gelte es die Ankündigungen auch umzusetzen: „Es reicht nicht, wenn unsere Forderungen auf dem Papier stehen – sie müssen auch in der Realität ankommen. Wir fordern die Politik auf die Schuldenbremse jetzt schnell zu reformieren und massiv in den Industriestandort Deutschland und gute Arbeitsplätze zu investieren“, betonte Ali Yener weiter. „Wir werden genau hinschauen, ob die Regierung ihren Ankündigungen auch Taten folgen lässt. Dafür machen wir mit verschiedensten Aktionen aus den Betrieben heraus weiter Druck.“ Unter dem Motto „Flamme der Solidarität“ richten Beschäftigten aus den verschiedensten Betrieben aktuell ihre Botschaften an die Politik und verleihen den Forderungen Nachdruck. Daneben fordern die Beschäftigten aber auch die Arbeitgeber auf ihrer Verantwortung nachzukommen. „In diversen Betrieben der Region wurden über Zukunftstarifverträge Arbeitsplätze gesichert und Standorte durch klare Zukunftsperspektiven und Investitionen gestärkt. Das sind Beispiele, die über die Region hinaus als Vorbilder wirken.“ so Denis Faupel, Tarifsekretär der IG Metall aus dem IG Metall Bezirk Mitte, auf der Delegiertenversammlung.
Besorgt zeigten sich die Delegierten über die zunehmende mediale Präsenz arbeitnehmerfeindlicher Positionen. Insbesondere die jüngsten Äußerungen von CDU-Politikern, darunter Friedrich Merz, zur Verlängerung der Arbeitszeiten sowie Forderungen nach Einschränkungen bei Feiertagen oder der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall stießen auf scharfe Kritik. „Solche Behauptungen stimmen nicht und die Vorschläge, die daraus abgeleitet werden, sind ein direkter Angriff auf die Rechte der Beschäftigten und auf die soziale Sicherheit in unserem Land“, so Ali Yener. So seien die durchschnittlichen Arbeitszeiten von Beschäftigten aufgrund eines Anstiegs der Teilzeitbeschäftigten gestiegen. „Insgesamt wird in Deutschland so viel gearbeitet wie noch nie. Die Erwerbsbeteiligung ist auf Rekordniveau und zusätzlich zur regulären Arbeit wurden im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Überstunden in Deutschland geleistet.“ so Ali Yener weiter. „Die Arbeit in Deutschland ist hochproduktiv. Im Gegenteil steigen Belastungen – und eine Kürzung bei Sozialausgaben würde nicht helfen, sondern die privaten Belastungen enorm erhöhen.“ Die Diskussion um die Senkung von Sozialabgaben sei daher gefährlich und nicht zielführend. Echte und nachhaltige Reformen seien nötig, wie die Vorstöße zu einer Erwerbstätigenversicherung und die stärkere Einbeziehung hoher Einkommen in die Sozialversicherung.
Die IG Metall Koblenz kündigt an, sich weiterhin mit Nachdruck für eine solidarische und gerechte Arbeitswelt einzusetzen – sowohl auf betrieblicher als auch auf politischer Ebene. Die Delegiertenversammlung endete mit einem klaren Appell an die Politik, die Stimme der Beschäftigten ernst zu nehmen und soziale Gerechtigkeit nicht kurzfristigem Spar- oder Profitdenken zu opfern.
Fotos: Tim Kirsch