Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz am 24. September 2025

IG Metall Koblenz fordert einen aktiven Staat: Die Bunderegierung muss endlich liefern

25.09.2025 | Angesichts des Verlusts hunderter Arbeitsplätze in der Region fordert die IG Metall Koblenz einen neuen Realismus in Fragen der Industrie- und Handelspolitik. Das unterstrichen die rund 100 Delegierten der IG Metall Koblenz auf ihrer Konferenz am Mittwoch, 24. September 2025 im Haus Horchheimer Höhe in Koblenz. Dafür forderten sie eine aktive Industriepolitik mit Local-Content-Regelungen, die lokale Produktion und lokale Transformation fördern. Debatten um einen Abbau sozialstaatlicher Errungenschaften wie den Achtstundentag führen dagegen in die Irre. Bei der Versammlung ging es aber auch darum, dass der der Druck auf die Unternehmen erhöht werden müsse, die strategischen Entscheidungen zugunsten der Industriearbeitsplätze vor Ort zu treffen. Diesen Druck können nur die Beschäftigten selbst ausüben, indem sie sich gewerkschaftlich organisieren und sich aktiv und solidarisch einbringen.

„Wer auf unsere Märkte will, muss auch hier investieren – in Standorte, Arbeitsplätze und Wertschöpfung garantieren“, fordert Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. Die Transformation der Industrie – insbesondere bei Elektromobilität und Energiewende – müsse lokal gefordert und gefördert werden. Verbindliche Quoten und Investitionspflichten sollen Wertschöpfung in Deutschland und Europa sichern und die Abhängigkeit von globalen Märkten verringern.

Die Bundesregierung wird aufgefordert, den im Koalitionsvertrag angekündigten Deutschlandfonds zügig umzusetzen. „Hier müssen auch mittelständische Unternehmen der Automobilzulieferbranche zum Zuge kommen, wenn sie in zukunftsfähige Geschäftsmodelle investieren wollen“, so Yener. Der Fonds soll mit zehn Milliarden Euro Eigenmitteln und privatem Kapital auf mindestens 100 Milliarden gehebelt werden, um Finanzierungslücken zu schließen.

Mit Blick auf aktuelle politische Debatten warnt Yener vor einer sozialen Rückentwicklung: „Nein zur Abschaffung des Achtstundentags!“ und „Ein Großteil unserer Mitglieder schafft die Rente mit 67 Jahren bereits jetzt nicht.“ Die IG Metall lehnt 12-Stunden-Schichten und eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters entschieden ab – aus Sorge um Gesundheit, Erholungszeiten und Produktivität.

Die Finanzierung der Transformation müsse gerecht erfolgen. „Anstelle von Sozialstaatsabbau müsste die Politik dort ansetzen, wo viel Geld vorhanden ist und immer noch verdient wird – beispielsweise bei Anteilseignern, großen Vermögen, großen Erbschaften“, betont Yener. Der Sozialstaat dürfe nicht geschwächt werden, gerade in Zeiten des Umbruchs.

Auch die Arbeitgeber stehen in der Kritik: „Ein wichtiger Teil der aktuellen Probleme geht auf Managementfehler und fehlenden Zukunftsstrategien in den Unternehmen zurück.“ Statt gemeinsam mit Beschäftigten Lösungen zu entwickeln, würden Beratungsfirmen engagiert, deren Empfehlungen oft auf kurzfristigen Personalabbau hinauslaufen.

Mit Blick auf die Betriebsratswahlen 2026 ruft Yener zur aktiven Mitgestaltung auf: „Druck auf die Unternehmen, die Arbeitsplätze in der Region zu sichern, können die Beschäftigten aber selbst ausüben, indem sie sich gewerkschaftlich organisieren und sich aktiv und solidarisch einbringen.“

 

Hintergrund Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz ist das oberste beschlussfassende Gremium der IG Metall in der Region. 100 Delegierte aus den Betrieben der Region um Koblenz vertreten hier die Anliegen ihrer Mitglieder und gestalten solidarisch die Arbeit der IG Metall. Die Delegiertenversammlung tagt viermal im Jahr. In der Zwischenzeit führt der von der Delegiertenversammlung gewählte Ortsvorstand, der ebenfalls die Betriebs- und Branchenstrukturen der Region abbildet, die Geschäfte der IG Metall Koblenz.

Von: sm

Unsere Social Media Kanäle