23.03.2026 | Von März bis Mai 2026 finden in allen Betrieben der Privatwirtschaft die turnusmäßigen Betriebsratswahlen statt. Viele Unternehmen in und um Koblenz wählen bereits im März. Beim Dosenhersteller Trivium in Weißenthurm mit rund 300 Beschäftigten ist die Wahl nun abgeschlossen: Die bisherige Spitze wurde mit sehr hoher Beteiligung bestätigt. Hubert Bonk und Jürgen Schüller führen den Betriebsrat weiterhin als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender an. Gleichzeitig ziehen mehrere junge Kolleginnen und Kollegen in das Gremium ein – wichtig für neue Perspektiven und eine langfristige Sicherung der Betriebsratsarbeit. 92 Prozent der Belegschaft nahmen an der Wahl teil.
Mitbestimmung im Alltag – Grenzen bei strategischen Entscheidungen
Der Betriebsrat ist im Alltag für die Beschäftigten wichtiger Ansprechpartner. „Wir kümmern uns um viele Themen auch solche, die eigentlich Themen der Personalabteilung sind.“ so Hubert Bonk, alter und neuer Betriebsratsvorsitzender bei Trivium in Weißenthurm: „Die Kolleginnen und Kollegen kommen zu uns, wenn sie Probleme in der Abteilung haben, wenn ihnen Arbeitssicherheitsthemen auffallen, aber auch wenn sie Informationen zum Stand des Arbeitszeitkontos haben oder zum Urlaubsantrag noch keine Rückmeldung erhalten haben.“
Trivium verfügt über eine lange Tradition der Mitbestimmung. Der neu gewählte Betriebsrat betont, wie viel konkrete Verbesserungsarbeit direkt im Betrieb möglich ist – von Arbeitszeitfragen über Arbeitsschutz bis hin zu transparenten Verfahren bei Versetzungen, Bewerbungen oder Qualifizierung. Gleichzeitig gibt es gesetzliche Grenzen: Bei strategisch-wirtschaftlichen Weichenstellungen wie Investitionen, der Ansiedlung neuer Produkte am Standort, Verlagerungen oder Personalabbau besitzt der Betriebsrat Informations- und Beratungsrechte, aber keine formale Mitbestimmung.
„In den vergangenen zehn Jahren gab es viele Wellen von Personalabbau im Betrieb.“ sagt Hubert Bonk: „Manchmal wurde direkt danach wieder Personal aufgebaut. Ein Betriebsrat kann versuchen, in solchen Prozessen Bedenken einzubringen und dafür sorgen, dass soziale Kriterien berücksichtigt werden, aber wirkliche Macht hat er nicht.“ Die gäbe es nur mit einer starken Gewerkschaft an der Seite.
Warum Gewerkschaftsorganisation den Unterschied macht
Bonk erinnert an den Zukunftstarifvertrag, den die Belegschaft gemeinsam mit der IG Metall am Standort Weißenthurm in der Vergangenheit abgeschlossen hat – ein Meilenstein, der Sicherheit geschaffen hat. „2021 haben wir gemeinsam mit der IG Metall bei Trivium in Weißenthurm einen Zukunftstarifvertrag mit Standort- und Beschäftigungssicherung abgeschlossen. Ohne den gäbe es uns möglicherweise nicht mehr.“ so Bonk: „Damals ist die gesamte Belegschaft zusammengestanden. Nur so konnten wir diese Sicherheiten erreichen. Jetzt, Ende 2025, ist der Zukunftstarifvertrag ausgelaufen. In den kommenden Jahren werden sicher wieder wichtige Entscheidungen für die Zukunft anstehen.“ Mit rund 90 Prozent Organisationsgrad der Belegschaft in der IG Metall sieht Bonk den Betrieb für mögliche Auseinandersetzungen gut gerüstet.
Betriebsratsarbeit – mehr als ein Job
Da der Betrieb über 200 Beschäftigte hat, ist Hubert Bonk für die Betriebsratsarbeit freigestellt, aber das sei kein normaler Job. „Wir setzen uns Tag für Tag für die Kolleginnen und Kollegen und für gute Arbeitsplätze in der Region ein. Das ist kein Job – das ist eine Herzensangelegenheit.“
„Mitbestimmung wirkt im Alltag – bei Arbeitszeit, Gesundheitsschutz, Qualifizierung und fairen Regeln. Aber ob am Standort investiert wird, neue Produkte kommen oder Personalkonzepte sozial abgefedert sind, entscheidet sich oft erst, wenn Beschäftigte organisiert, solidarisch und handlungsfähig sind.“ so ergänzt Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz: „Wo viele organisiert sind, findet die Belegschaft Gehör – im Zweifel auch mit Tarifaktionen oder Streiks.“
Die aktive Belegschaft bei Trivium zeigt: Verbesserungen entstehen, wo Beschäftigte sich gemeinsam und solidarisch engagieren. Der Betrieb ist der Ort, an dem die meisten Menschen einen großen Teil ihres Lebens verbringen – Mitbestimmung und Beteiligung sind daher kein Selbstzweck, sondern gelebte Arbeits- und Lebenskultur.
Kurzinformation Trivium Packaging, Weißenthurm
Trivium ist eines von zwei Dosenwerken in Weißenthurm. Das Werk gehört zu einem Konzern mit Hauptsitz in den Niederlanden und mehreren Standorten in Deutschland. Die rund 300 Beschäftigte in Weißenthurm fertigen Dosen für die Lebensmittelindustrie, insbesondere für Babynahrung. Der Standort verfügt über eine lange Tradition der Mitbestimmung. Tariflich gelten die Tarifverträge der Feinstblechpackungsindustrie für den Standort.