Koblenz, 23.06.2022 Nr. 11/2022

IG Metall Koblenz fordert wirksame Entlastungen für alle!

  • 23.06.2022
  • Aktuelles, Tarif, Politik, Betriebe, Presse

Unternehmen und Politik müssen Verantwortung übernehmen Aktionstag „Metaller sammeln Metall“ für ein Krankenhaus in Odessa (Ukraine) und die Tafel in Cochem.

 

Koblenz - Auf der gestrigen Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz war die Erwartungshaltung und die Forderung der Delegierten klar. Die Politik und die Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen. Die Lenkungs- als auch Entlastungswirkung der bisherigen Entlastungspakete sind aufgrund der gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise unzureichend. Teilweise verpuffen diese durch den Einmaleffekt wie ein Strohfeuer oder werden durch erneute Preissteigerungen bei Benzin, Diesel, Gas, Strom oder Lebensmittel direkt verzehrt. Die IG Metall fordert daher wirksame und marktsteuernde Maßnahmen von der Politik: 

  • Krisengewinne abschöpfen - Preistreiber zur Kasse bitten.
  • Gaspreise deckeln - Strompreise senken.
  • Haushalte jetzt und auch 2023 sozial gerecht entlasten.

 

Für eine gerechte Bewältigung der Preis-Krise hat die IG Metall bundesweite Unterschriftenkampagne bis Mitte Juli gestartet. Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz: „Die Profitgier Weniger treibt die Preise. Unternehmen reichen gestiegene Kosten weiter. Beschäftigte können das nicht. Bei dieser grassierenden Inflation muss jetzt die Politik dringend handeln.“ Weder die Tarifpartner alleine und erst recht nicht die Bürger könnten die anhaltende Inflation beenden. Darum brauche es jetzt auch politische Maßnahmen, die bis ins kommende Jahr wirkten.“

Die aktuelle Betriebsrätebefragung der IG Metall vom Mai 2022 wurde auf der Delegiertenversammlung bewertet. Bei über 2400 Betrieben beurteilen rund 84 Prozent ihre Auftragslage als „gut“ oder „eher gut“, nur 2,6 Prozent als „schlecht“. 69 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten eine gleichbleibende Auftragslage, 18 Prozent sogar eine bessere. Zudem sind die Betriebe gut ausgelastet: Zwei Drittel haben derzeit eine normale (20 %) oder hohe Kapazitätsauslastung (43 %). Auch mit Blick auf die Ertragslage 2022 sind 70 Prozent der Betriebe optimistisch.

Angesichts dieser betrieblichen Realitäten werden dringend dauerhafte, tabellenwirksame Entgelterhöhung nötig. Ali Yener: "Wir beweisen wie in den Vorjahren wiederholt Vernunft und Verantwortung. Die Beschäftigten haben nach vier Jahren wieder eine spürbare Erhöhung ihrer Entgelttabellen verdient.“ Die letzte tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte in der Metall- und Elektroindustrie ist im April 2018 erfolgt. Der Tarifabschluss 2021 beinhaltete neben einer Corona-Prämie eine neue jährliche tarifliche Sonderzahlung (Transformationsgeld). Im krisenbedingten Tarifabschluss im Juni 2021 wurde eine Laufzeit bis September 2022 vereinbart, so dass nach Sicht der Tarifparteien angesichts der damals herrschenden Unsicherheit für das Jahr 2022 noch eine Korrektur der Entgelte erfolgen kann. Somit steht in der Metall- und Elektroindustrie die Entgeltentwicklung 2022 und bei 12 Monaten Laufzeit fast des kompletten Jahres 2023 zur Verhandlung. Der Vorstand der IG Metall empfiehlt den regionalen Tarifkommissionen der Metall- und Elektroindustrie, in einem Korridor zwischen 7 und 8 Prozent höhere Entgelte für 12 Monate zu fordern.

Die endgültige Forderung beschließt die IG Metall nach Sitzungen der regionalen Tarifkommissionen am 30. Juni auf der Vorstandssitzung am 11. Juli. „Eckdaten eines Arbeitskampfkonzeptes wurden ebenfalls auf der Delegiertenversammlung besprochen, für den Fall, wenn sich die Arbeitgeber ihrer Verantwortung entziehen wollen,“ so Ali Yener weiter.

Verantwortung wollen die Koblenzer Metaller für die von Krieg und Not betroffenen Krankenhaus in Odessa (Ukraine) und für die Tafel in Cochem übernehmen. Gemeinsam mit der Aktion „Glücksritter“ wurde auf der Delegiertenversammlung für den 19.Juli 2022 ein betrieblicher Aktionstag zum Sammeln von haltbaren Lebensmitteln unter dem Titel „Metaller sammeln Metall“ abgestimmt. „Das konkrete und praktische Hilfskonzept der Glücksritter hat uns sofort überzeugt. Wir unterstützen aus voller Überzeugung mit unserer Kraft des kollektiven und solidarischen Agierens Menschen in Not in unserer Region und in der Ukraine,“ so Ali Yener abschließend.