Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz diskutiert Tarifergebnisse und erklärt sich solidarisch mit den Beschäftigten am Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein

Gut leben in der Region

  • 01.12.2022
  • Aktuelles, Tarif, Politik, Betriebe, Presse

Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz diskutiert Tarifergebnisse und erklärt sich solidarisch mit den Beschäftigten am Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein

In großer Runde diskutierte die Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz am gestrigen Mittwochabend das Tarifergebnis in der Metall- und Elektroindustrie. Über die eigene Branche hinaus blickte die Versammlung auch kritisch auf die Entwicklungen in andern Bereichen und verurteilte insbesondere die aktuelle Kürzung des Weihnachtsgelds am Gemeinschaftsklinikum Koblenz. „Wir wollen, dass die Menschen in dieser Region gut leben können.“ betont Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Gute Einkommen, gute Arbeitsbedingungen, aber auch eine gute Gesundheitsversorgung – das sind große Themen, die wir als Gewerkschaften vorantreiben und damit ein gutes Leben in der Region sichern wollen.“

„Mit der Tarifrunde 2022 in der Metall- und Elektroindustrie haben wir in diesem Jahr in einer herausfordernden Zeit ein akzeptables Ergebnis erziel, vor allem aber eine enorm kraftvolle Bewegung in der Region für gute Einkommen erzeugt.“ so Ali Yener. In Zeiten eines permanenten Krisenmodus müssten die Gewerkschaften viele Themen bearbeiten, die alle für sich Megathemen der Gesellschaft sind: Transformation, Pandemie, Krieg und Inflation. „Die gesellschaftliche Lage hat dazu geführt, dass diese Tarifrunde mit einer einfachen Zahl, der Forderung von 8 Prozent mehr Entgelt“ hochemotional geführt wurde. Einkommen und Kaufkraft sichern war die große Aufgabe, die tausende Beschäftigte mobilisiert hat, für die eigenen Interessen Flagge zu zeigen. 4793 Kolleginnen und Kollegen waren in unserer Region für die Tarifforderung im Warnstreik, bundesweit war es fast eine Million, und wir wären in der Lage gewesen auch weiter zu eskalieren, falls das nötig gewesen wäre.“

Neben der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie stehen sowohl im Organisationsbereich der IG Metall, aber auch in den Bereichen, die die Mitglieder im Alltag betreffen, weitere Tarifrunden und tariflichen Themen an. Für die Feinstblechpackungsindustrie, zu der die Dosenwerke in Weißenthurm gehören, wurde am 28.11.2022 ein Abschluss angelehnt an den Abschluss der Metall- und Elektroindustrie vereinbart.

Die Autohäuser und Werkstätten in der Region sind aktuell noch in Tarifverhandlungen. Hier steht am heutigen Donnerstag 1.12.2022 die zweite Tarifverhandlung an. „Neben dem Entgelt geht es allerdings hier noch um viel mehr.“ sagt Ali Yener. „Der Landesverband im Kfz-Handwerk in Rheinland-Pfalz hat schon 2020 fast alle Tarifverträge gekündigt und inzwischen erklärt, dass er nicht mehr mit der IG Metall verhandelt. Stattdessen hat sich eine Tarifgemeinschaft gegründet. In vielen Autohäusern und Werkstätten in der Region werden daher zukünftig keine Tarifverträge mehr gelten.“ so Ali Yener weiter. „Zum Glück merken die Kolleginnen und Kollegen in den Autohäusern aber zunehmend, dass sie sich für gute Arbeitsbedingungen organisieren und einsetzen müssen. Der Konflikt in den Autohäusern wird uns über die anstehende Tarifverhandlung hinaus noch geraume Zeit begleiten.“

Solidarität auch über Branchen hinweg spielt für die IG Metall Koblenz eine große Rolle, so zum Beispiel bezüglich der kürzlich arbeitgeberseitigen Kürzungen am Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein.

„Weihnachtsgeld von heute auf morgen um 70 Prozent streichen, das ist ein Skandal. Gerade in der Corona-Zeit muss auch dem Letzten aufgefallen sein, wie wichtig es ist, dass die Gesundheitsversorgung verbessert wird. Das heißt insbesondere auch, dass die Einkommen und Arbeitsbedingungen in den Kliniken verbessert und nicht Standards absenkt werden.“ sagt Ali Yener. „Gerade unter Corona-Bedingungen haben die Beschäftigten im Gemeinschaftsklinikum unter widrigsten Bedingungen, immenses geleistet und das kann nicht der Dank dafür sein. Der Konflikt am Gemeinschaftsklinikum betrifft auch unsere Kolleginnen und Kollegen. Zum guten Leben in der Region, gehört eine gute Gesundheitsvorsorge. Wenn die Beschäftigten am Gemeinschaftsklinikum Koblenz sich wehren, werden wir sie unterstützen.“

Bezüglich der Mitgliederentwicklung blickt die IG Metall Koblenz positiv in die Zukunft. „Die Beschäftigten erkennen, dass sie gerade in unsicheren Zeiten nur gemeinsam stark sind. Nach aktuellem Stand wir die IG Metall Koblenz in diesem Jahr in der Region wieder wachsen und damit an Stärke in den tarifgebundenen, aber auch in noch nicht tarifgebundenen Betrieben gewinnen.“