Treue und Verbundenheit zur Gewerkschaft gewürdigt. IG Metall Koblenz und NGG Mittelrhein ehren 366 Jubilare

22.09.2025 | Am Samstag, den 20. September 2025, ehrten die IG Metall Koblenz und die NGG Mittelrhein ihre Jubilare für ihre langjährige Treue und Verbundenheit. Darunter sieben Mitglieder der ersten Stunden der Gewerkschaften in der Region mit Mitgliedschaften von 70 Jahren. Die Redebeiträge erinnerten an die bewegte Geschichte im Kampf um gute Arbeits- und Lebensbedingungen in der Region, aber auch an anstehende Herausforderungen angesichts der weltpolitischen Lage und der aktuellen strukturellen Krise der Industrie in Deutschland. Auch aktuelle politische Debatten wie die um Höchstarbeitszeiten flossen ein. Die Gewerkschaften haben lange um eine tägliche Höchstarbeitszeit gekämpft, um die Beschäftigten vor übermäßiger Belastung zu schützen. Diese dürfe nun für politische Schaukämpfe geopfert werden. Flexibilität für die Beschäftigten gibt es nur, wenn Betriebsräte und Gewerkschaften einen verlässlichen Rahmen dafür schaffen und kontrollieren. Die Forderung nach entgrenzten Arbeitszeiten führe auch nicht zu mehr Produktivität.

In einem festlichen Akt dankten Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, Thomas Anhuth, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, und Volker Daiss, Geschäftsführer der NGG Region Mittelrhein, den anwesenden langjährigen Mitgliedern für ihre Verlässlichkeit, Treue und Solidarität. Insgesamt zählte die IG Metall 319 Jubilare. Die NGG ehrte 47 Jubilare. Geehrt wurden diese für 25, 40, 50, 60, 65 und sogar 70 Jahre Mitgliedschaft.

In ihren Begrüßungs- und Grußworten bedanken sich Ali Yener, Thomas Anhuth und Volker Daiss für die langjährige Verbundenheit mit der IG Metall, der NGG und das Engagement für gute Arbeitsbedingungen in der Region. Alle drei wiesen auf die lange Tradition der Gewerkschaften hin, für gute Arbeits- und Lebensbedingungen und Demokratie in der Gesellschaft aber auch in den Betrieben einzutreten.

Thomas Anhuth erinnerte daran, dass die Gewerkschaften in ihrer Geschichte einige Stürme gemeistert haben, und dankte für den Einsatz und Rückhalt der Mitglieder, die dies möglich gemacht haben: „Euer Einsatz und euer Engagement machen uns stark.“ so Thomas Anhuth. Auch die aktuelle Lage stelle größte Herausforderungen: „Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen strukturellen Krise. Die Konflikte in unseren Betrieben nehmen zu und werden heftiger und die Herausforderungen sind gewaltig: Transformation, Klimawandel und Krieg in Europa sind nur einige davon. Schnelles und beherztes Handeln ist gefragt, um gute Arbeit und den Wohlstand in unserem Land zu erhalten. Wir haben die besten Voraussetzungen: kluge Ingenieure, die die Produkte von morgen entwickeln und viele gute Kolleginnen und Kollegen in der Produktion, die genau diese Produkte fertigen. Wenn wir den kommenden Generationen eine lebenswerte Welt überlassen wollen, müssen wir unsere Industrie umstellen, aber das muss gestaltet werden, damit unsere Kolleginnen und Kollegen dabei nicht unter die Räder kommen.“ so Thomas Anhuth. „Auf die Politik machen wir Druck in der Industriepolitik die richtigen Weichen zu stellen, aber flankierend brauchen wir auch den richtigen Kurs bei Vorhaben wir Rente, Gesundheit oder Pflege.“

„Gewerkschaftsarbeit ist niemals abgeschlossen.“ so Volker Daiss. Immer wieder müssten die Gewerkschaften neue Herausforderungen meistern, aber immer wieder werden auch wichtige Errungenschaften in Frage gestellt. „Der Acht-Stunden-Tag ist eine Errungenschaft, für den unsere Kolleginnen und Kollegen vor über hundert Jahren lange gekämpft haben. Es ist ein Irrweg, in solchen grundlegenden Themen den Arbeitsschutz zu öffnen, tägliche Höchstarbeitszeiten abzuschaffen und damit Missbrauch Tür und Tor zu öffnen. Für Arbeitgeber bedeutet es mehr Flexibilität. Für die Beschäftigten bedeutet es weniger Schutz, mehr Belastung, weniger Zeit für Familie und Erholung. Es werden insgesamt in Deutschland und gerade im Gastgewerbe viele Überstunden gemacht, die weder erfasst noch bezahlt werden. Wer denkt höhere Arbeitszeiten würden zu mehr Produktivität führen, der irrt.“ So Volker Daiss. „Der 8-Stunden Tag wurde hart erkämpft. Dieses Fundament geben wir nicht einfach preis. Flexibilität kann es dort geben, wo sie durch Tarifverträge und Betriebsräte geregelt werden.“

Ali Yener blickte in seiner Festrede auf die gewerkschaftlichen Kämpfe der Vergangenheit zurück. Er erinnerte an die Anfänge und spannte den Bogen zu den heutigen Herausforderungen. „Man kann es sich heute kaum vorstellen, dass zum Beispiel in der Metallindustrie in der Woche 85 bis 120 Stunden gearbeitet wurde, von 6.30 Uhr morgens bis um 22.00 Uhr oder 24.00 Uhr in der Nacht.“ so Ali Yener. „Ich erinnere hier an unseren Kampf für die Mitbestimmung, den Kampf um die 35-Stunden-Woche und auch an die Auseinandersetzungen in der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009. 2018 haben wir wieder einmal bewiesen, dass die IG Metall kampfstark ist, und mit 1,5 Millionen Mitstreiterinnen und Mitstreitern vor den Betrieben die Arbeitszeit der Beschäftigten gegen den massiven Widerstand der Arbeitgeber flexibler und moderner gestaltet. Dazu waren wir auch in der Region Koblenz mit 6904 Menschen auf der Straße und mit zwei Betrieben sogar ganztägig im Streik – damals Aleris, heute Novelis, und Eaton. Die Geschichte der Industrie und der Gewerkschaften in der Region in den letzten über 70 Jahren zeigt, dass wir ohne das starke Engagement viele Errungenschaften nicht hätten, die heute selbstverständlich sind.“ Und die Kämpfe sind nicht zu Ende. „Zusammen haben wir viel erreicht. In der aktuell tiefsten strukturellen Krise der Industrie seit langem, sind wir trotzdem zuversichtlich, dass wir mit dem Zusammenhalt und der Solidarität in den Betrieben, die zukünftige Arbeitswelt gestalten. Würde hört nicht am Werkstor auf und Tarifverträge und Mitbestimmung gibt es nur durch Gewerkschaften. Daher kämpfen wir weiter für eine Demokratie in der Gesellschaft, aber auch in den Betrieben.“ so Ali Yener.

Insgesamt ehrte die IG Metall für ihre 70-jährige Mitgliedschaft 6 Mitglieder, für ihre 65-jährige 3, für ihre 60-jährige 13, für ihre 50-jährige Mitgliedschaft 66, für ihre 40-jährige 107 und für ihre 25-jährige Mitgliedschaft 125 Kolleginnen und Kollegen. Die NGG ehrte für 70 Jahre Treue 1 Mitglied, für 65 Jahre Treue 1 Mitglied und für 60 Jahre Treue 3 Mitglieder. Für 50 Jahre Treue wurden 7 Mitglieder, für 40 Jahre 14 und für ihre 25-jährige Mitgliedschaft 21 Kolleginnen und Kollegen geehrt.

Von: ek

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