Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz am 25. März 2026

Delegierte der IG Metall Koblenz stellen klare Forderungen an die Politik und rufen die Beschäftigten zum 1. Mai auf die Straße

26.03.2026 | Die Delegierten der IG Metall Koblenz haben bei ihrer jüngsten Versammlung deutliche Erwartungen an Politik und Unternehmen formuliert. Viele Unternehmen versuchten derzeit unter Schlagworten wie „Wettbewerbsfähigkeit“ vor allem ihre Renditen zu steigern – oft ohne Rücksicht auf die Sicherung der Standorte und Arbeitsplätze in der Region. Unter dem Motto des diesjährigen 1. Mai 2026: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ machen die Delegierten daher klar: Die regionale Industrie steht unter Druck – und die Beschäftigten erwarten endlich entschlossenes politisches Handeln.

Landtagswahl 2026: Schnelle Regierungsbildung dringend nötig

Mit Blick auf die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz fordert die IG Metall Koblenz, die Koalitionsverhandlungen zügig abzuschließen. Die neue Landesregierung müsse sofort arbeitsfähig sein und politische Rahmenbedingungen schaffen, um Arbeitsplätze sichern. „Die Menschen im Land brauchen eine verlässliche Regierung und Sicherheit im Wandel. Die Politik muss jetzt an der Seite der Beschäftigten stehen – in den Betrieben und in der Region.“ so Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz.

Druck auf Beschäftigte steigt – Sozialstaat nicht aushöhlen

„Unter dem Vorwand knapper öffentlicher Haushalte wächst der Druck auf Beschäftigte und soziale Sicherungssysteme werden infrage gestellt.“ so Yener weiter. „Wenn Politiker aktuell von Reformen sprechen, zielen sie meist darauf ab, Leistungen zu kürzen und die Lebenslagen der Menschen unsicherer zu machen.“ Es gehe um Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung – Absicherungen, die jeder im Leben mal früher mal später für sich oder die Angehörigen braucht.

„Wir stellen uns Reformen nicht entgegen. Im Gegenteil: wir machen Vorschläge wie eine solidarische, verlässliche Arbeitswelt und ein starkes soziales Netz aussehen kann. Wichtig ist aber, das unsere Kolleginnen und Kollegen keine Angst vor Veränderungen oder Schicksalsschlägen haben müssen. Gerade in unsicheren Zeiten müssen sie sich darauf verlassen können, dass die Gesellschaft auch in schwierigen Lebenslagen für sie da ist.“

Nach vier Kriterien will die IG Metall eine faire Reformpolitik bewerten: „Reformen müssen Wirtschaftswachstum und eine stabile heimische Wertschöpfung fördern. Unsere Kolleginnen und Kollegen müssen mehr Netto vom Brutto haben, um sich ein gutes Leben durch gute Arbeit zu sichern. Es bedarf gesicherter Renten, um Altersarmut zu vermeiden und insgesamt müssen Reformen zu mehr nicht weniger sozialer Gerechtigkeit führen.“ so Yener.

Studienlage eindeutig: Arbeitskosten sind nicht das Problem

Die IG Metall Koblenz verweist auf Erkenntnisse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Nicht Arbeitskosten, sondern fehlende Innovationen und Investitionen bremsen die Wettbewerbsfähigkeit. „Unternehmen müssen in Zukunftstechnologien investieren – und die Politik endlich wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen, die diese Entscheidungen begünstigen.“ so Yener.

Local Content und Investitionsoffensive als zentrale industriepolitische Antwort

Eine der wichtigsten Forderungen der IG Metall dafür ist die konsequente Umsetzung von Local-Content-Strategien: „Wer Produkte in Europa verkaufen will, muss auch europäische Wertschöpfung sicherstellen und sich an europäische Standards halten.“ so Yener. „Subventionen und Fördermittel müssen klar an lokale Beschäftigungs- und Produktionsauflagen gebunden werden. Das stärkt nicht nur regionale Arbeitsplätze, sondern reduziert zeitgleich gefährliche Abhängigkeiten in Lieferketten.“ Die Delegierten betonen die Notwendigkeit einer öffentlichen Investitionsoffensive in Infrastruktur, Energie, Digitalisierung, Mobilität und Bildung.

Betriebsratswahlen 2026 und Tarifbewegung: Mitbestimmung stärken und Tarifbindung als Schutzmechanismus

„Aktive Belegschaften und starke Betriebsräte sind entscheidend, um Angriffe auf Arbeitsplätze abzuwehren und gute Bedingungen vor Ort zu gestalten.“ so Yener.
Die Delegierten der IG Metall Koblenz rufen deshalb alle Beschäftigten auf, die noch bis Mai 2026 laufenden Betriebsratswahlen zu unterstützen – durch Mitarbeit, Kandidaturen oder klare Solidarität.

In Betrieben, die von Personalabbau bedroht sind, zeigen sich tarifliche Regelungen als zentrale Instrumente der Beschäftigungssicherung. Das zeigten die aktuellen Verhandlungen und Auseinandersetzungen im Koblenzer Industriegebiet. Die IG Metall Koblenz macht daher auf die Bedeutung der Tarifforderung 2026 aufmerksam, die ab Juni mit einer groß angelegten Beschäftigtenbefragung beginnt.

AUFRUF AN DIE BESCHÄFTIGTEN: Am 1. Mai auf die Straße!

Die IG Metall Koblenz ruft alle Beschäftigten – aus Industrie, Handwerk und Dienstleistungen – auf, am 1. Mai 2026 gemeinsam ein starkes Zeichen zu setzen: „Kommt am 1. Mai auf die Straße! Für sichere Arbeitsplätze, für soziale Sicherheit, für eine gerechte Politik und für eine Industrie, die hier in der Region Wertschöpfung schafft.“ Der Tag der Arbeit ist der Moment, an dem die Beschäftigten zeigen könnten, dass sie hinter diesen Forderungen stehen und bereit sind, gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen.

Hintergrund Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz ist das oberste beschlussfassende Gremium der Geschäftsstelle. 100 Delegierte aus den Betrieben der Region vertreten die Anliegen der Mitglieder, gestalten solidarisch die Arbeit der IG Metall und bestimmen die strategischen Schwerpunkte der regionalen Gewerkschaftsarbeit.

Von: sm

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