20.03.2026 | Von März bis Mai 2026 finden in allen Betrieben der Privatwirtschaft die turnusmäßigen Betriebsratswahlen statt. Viele Unternehmen in und um Koblenz wählen bereits im März. Bei Deutz in Herschbach mit 125 Beschäftigten ist die Wahl nun abgeschlossen: Der Betriebsrat wurde mit einer Wahlbeteiligung von 90 Prozent eindrucksvoll bestätigt. Das bewährte Dreier Führungsteam – Betriebsratsvorsitzender Marco Lohmeier, sein Stellvertreter Stefan Stump und Andreas Wiczinski – erhielt jeweils 80 Prozent der Stimmen.
Mitbestimmung im Alltag – Grenzen bei strategischen Entscheidungen
Der Deutz Standort Herschbach fertigt Komponenten für die Motoren, die Köln und Ulm verbaut werden. Im Vergleich zum Hauptstandort Köln ist Herschbach klein, aber keineswegs unbedeutend. „Für uns als Betriebsrat ist die Wahlbeteiligung und das Wahlergebnis eine Bestätigung für unsere bisherige Arbeit“, sagt Marco Lohmeier, alter und neuer Betriebsratsvorsitzender bei Deutz in Herschbach: „Die Zeiten für die Mitbestimmung sind nicht einfach. Es gibt es seit einiger Zeit große Umbrüche in der Industrie, die immer deutlicher spürbar werden, und es gibt starke Tendenzen zur Verlagerung.“
Wie überall in der Metall‑ und Elektroindustrie gilt: Im betrieblichen Alltag kann ein Betriebsrat viel gestalten – bei Arbeitszeiten, Arbeitsschutz, Qualifizierung und fairen Verfahren. Bei strategischen Unternehmensentscheidungen wie Investitionen, Verlagerungen oder Personalabbau hat der Betriebsrat dagegen nur Informations‑ und Beratungsrechte.
Erfolg durch Solidarität – Standorterhalt gemeinsam erkämpft
In den vergangenen Jahren war der Standort Herschbach mehrfach bedroht. „2020 wurde Herschbach als Standort vom Deutz‑Konzern in Frage gestellt. Wir konnten das damals drehen und den Standort erhalten. Schon in den Jahren danach wurde dann auch wieder gut investiert“, berichtet Marco Lohmeier und verweist auf den Neubau der Logistikhalle, der seit circa einem Jahr umgesetzt ist. „Dennoch wissen wir, dass wir angesichts der Lage der Industrie weiter wachsam sein müssen und uns als Belegschaft stark aufstellen müssen. Das weiß die Belegschaft und stärkt uns sowohl durch die hohe Wahlbeteiligung als auch durch eine starke gewerkschaftliche Organisierung den Rücken.“
Eine wichtige Stimme im Konzern
Auch als kleiner Standort spielt Herschbach im Gesamtkonzern eine gewichtige Rolle. „Wir und unsere IG Metall Vertreter vor Ort sind regelmäßig in Köln präsent, wo die Entscheidungen auch für unseren Standort getroffen werden.“ so Marco Lohmeier. Die Betriebsräte aus Herschbach und die IG Metall Koblenz hatten sich vor knapp zwei Jahren maßgeblich für einen Zukunftstarifvertrag für Deutz in Köln und Herschbach eingesetzt – mit Erfolg.
„Der Zukunftstarifvertrag sichert die Arbeitsplätze bis Ende 2029 ab und schreibt konkrete Investitionszusagen fest.“ so Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Im Gegenzug sagen die Beschäftigten eine hohe Flexibilität zu – ein hohes Gut für Unternehmen in volatilen Zeiten. Die Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie geben uns die Instrumente dazu.“
Warum Gewerkschaftsorganisation entscheidend ist
Die Kolleginnen und Kollegen in Herschbach wissen, wie wichtig starke Tarifverträge sind. Das zeigt sich auch in der Vorbereitung auf die kommenden Auseinandersetzungen: „Ab dem Sommer beginnt die Tarifbewegung 2026 in der Metall- und Elektroindustrie.“ erläutert Marco Lohmeier, der nicht nur Betriebsratsvorsitzender, sondern auch ehrenamtlicher Vertrauensmann und Ortsvorstandsmitglied der IG Metall Koblenz ist. „Wir bei Deutz in Herschbach nennen uns die Ultras der IG Metall Koblenz – und wir werden auch diesmal, wie immer, in der Tarifbewegung sehr aktiv sein.“
Aktive Belegschaft – starke Mitbestimmung
Die Entwicklung der vergangenen Jahre in Herschbach zeigt deutlich: Verbesserungen entstehen dort, wo Beschäftigte sich gemeinsam engagieren. Der Arbeitsplatz ist der Ort, an dem die meisten Menschen einen Großteil ihres Lebens verbringen – Mitbestimmung und Beteiligung sind daher kein Selbstzweck, sondern gelebte Arbeits‑ und Lebenskultur.
Kurzinformation Deutz Herschbach
Deutz betreibt im Westerwald einen Standort zur Fertigung von Motorkomponenten für Off‑Road‑Fahrzeuge wie Traktoren, Landmaschinen und Baumaschinen. 125 Beschäftigte arbeiten in Herschbach. Der Standort ist eng mit dem Hauptwerk Köln verzahnt und verfügt über eine aktive, gut organisierte Belegschaft.