Rund 2.000 Beschäftigte machen Druck für 8 Prozent mehr Geld

Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie lassen die Beschäftigten weiter warten

  • 10.10.2022
  • Aktuelles, Tarif, Politik, Betriebe, Presse

Die lange Fahrt nach Landau, wo heute die zweite Tarifverhandlung der Mittelgruppe stattfand, schreckte die Delegationen aus Koblenz nicht ab.

Unmittelbar vor der zweiten Tarifverhandlung mit den Arbeitgebern verliehen Beschäftigte aus Koblenz und der Region gemeinsam mit insgesamt mehr als 2.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie des IG Metall Bezirks Mitte lautstark ihrer Forderung von 8 Prozent mehr Geld Nachdruck. Unter dem Motto „Wer die Preise kennt, will 8 Prozent“ setzten die Beschäftigten ein deutliches Zeichen für eine nachhaltige Entgelterhöhung.

In der Verhandlung überreichte die IG Metall den Arbeitgebern einen Warenkorb mit Lebensmitteln, Babynahrung und Pflegeprodukten des täglichen Bedarfs, um die Preissteigerungen der letzten Monate zu verdeutlichen. „Wer die Preise kennt, fordert 8 Prozent“, betonte Jörg Köhlinger, Verhandlungsführer und Leiter der IG Metall Mitte. Doch die Arbeitgeber der Mittelgruppe hatten den 380.000 arbeitenden Menschen in der Metall- und Elektroindustrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland erneut nichts anzubieten.

Als Teil der Verhandlungskommission drückte Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, nach Abschluss der Verhandlungen sein Unverständnis aus: „Die Verhandlungen waren in Art und Stil okay, aber das Ergebnis zählt und das war nichts. Üblicherweise legen die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vor. Heute war das nicht in Sicht. Wir wollen die Friedenspflicht bis zum 28. Oktober nutzen, um ein Ergebnis zu erzielen. Doch die Arbeitgeber verschleppen die Tarifrunde mit ihren Argumenten, es gäbe nichts zu verteilen und es ginge an die Substanz der Betriebe. Das Verhalten der Arbeitgeber wird der herausfordernden Situation nicht gerecht.“

„Umfragen der IG Metall unter den Betriebsräten zeigen, dass drei von vier Betrieben steigende Kosten in Form von Preiserhöhungen ganz oder teilweise weitergeben. Unsere Kolleginnen und Kollegen können ihre steigenden Kosten nicht weiterreichen“ so Ali Yener. „Die Arbeitgeber erwecken außerdem den Eindruck, dass die Entlastungspakete der Bundesregierung sie nicht berücksichtigten würden. Die Gaspreisbremse, die von den Gewerkschaften geforderte wurde und jetzt umgesetzt werden soll, entlastet aber auch die Betriebe.“

Dementsprechend war die Bereitschaft unter den Beschäftigten groß, der Forderung vor dem Verhandlungslokal Nachdruck zu verleihen. „Dass so viele Kolleginnen und Kollegen hier sind, ist ein deutliches Zeichen, dass die Forderung von den Beschäftigten getragen wird.“ sagt Ali Yener. „Wir handeln verantwortlich im Sinne unsere Kolleginnen und Kollegen und erwarten von den Arbeitgebern, ebenfalls ihrer Verantwortung nachzukommen.“

Weiter verhandelt wird am 27. Oktober. „Am 27. Oktober steht die letzte Verhandlung innerhalb der Friedenspflicht an und die Arbeitgeber haben die Chance, mit einem abschlussfähigen Angebot innerhalb der Friedenspflicht ein Ergebnis zu erlangen. Wenn keine Einigung zustande kommt, sind wir ab November in unseren Betrieben in der Metall- und Elektroindustrie definitiv im Arbeitskampf.“ kündigt Ali Yener an. „Angesichts des Verhaltens der Arbeitgeber werden wir in der kommenden Woche unsere Streikplanung abschließend vorbereiten. Unsere Kolleginnen und Kollegen wissen wie harte Auseinandersetzungen geführt werden.“