Koblenz, 08.06.2021 Nr. 17/2021

Aktionswoche Kfz-Handwerk Teil 2: Kampf um Tarifbindung in den Autohäusern Die IG Metall will keine Sonderlösungen für gut organisierte Betriebe, sondern gute Bedingungen für alle

  • 09.06.2021
  • Aktuelles, Tarif, Politik, Betriebe, Presse

Die IG Metall Koblenz war heute in zahlreichen Autohäusern rund um Koblenz unterwegs – vor allem in solchen ohne Betriebsrat.

Rund 80 Kollegen und Kolleginnen konnte sie dort erreichen, über die Tarifsituation in Rheinland-Rheinhessen informieren und für die Tarifbindung der Branche werben.

Hintergrund ist die Kündigung der Flächentarifverträge durch den Verband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe Rheinland-Pfalz Anfang 2020. Seit 2021 sind die meisten Tarifverträge nur mehr für Gewerkschaftsmitglieder in Nachwirkung. Die IG Metall befürchtet daher eine allmähliche Absenkung der Standards. „Die Vorstellungen der Arbeitgeber liegen seit letzten Sommer auf dem Tisch: Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche, bei Bedarf bis 45 Stunden, der Samstag soll Regelarbeitstag sein, Zuschläge sollen gekürzt werden. Gleichzeitig will der Verband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe den Urlaubsanspruch auf das gesetzliche Minimum von nur mehr vier Wochen beschränken sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld streichen. Würden sich diese Vorstellungen durchsetzen, fielen für einen normalen Monteur fast 6000 Euro im Jahr an Ansprüchen weg.“ sagt Stefanie Majer, Politische Sekretärin der IG Metall Koblenz.

„Natürlich könnten wir für gut organisierte Betriebe nun Sonderlösungen vereinbaren.“ so Majer weiter: „Das ist aber nicht unser Ziel. Wir wollen gute Standards in der ganzen Branche sichern.“ Die IG Metall sieht in den Flächentarifverträgen auch Vorteile für die Autohäuser selbst. „Betriebe, die gute Bedingungen bieten, profitieren von gleichen Standards. Sie sichern gleiche Wettbewerbsbedingungen. Zudem klagt die Branche über Fachkräftemangel. Die besser bezahlten Industriearbeitsplätze ziehen dem Handwerk die Arbeitskräfte ab.“

In ganz Rheinland-Pfalz sind rund 20.000 Beschäftigte von der Kündigung der Tarifverträge betroffen.

Die aktuellen Aktionen sind Teil einer bundesweiten Aktionswoche im Kfz-Handwerk. In der Region Koblenz werden die ganze Woche weitere Aktionen in Autohäusern und Werkstätten stattfinden. Am morgigen Mittwoch setzen die Beschäftigten der MAN Koblenz mit einer aktiven Mittagspause ein Zeichen für die Tarifbindung.